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Inklusion an Hochschulen

Studieren mit Hörbehinderung: Barrierefrei an Universitäten & Fachhochschulen

Studierende liest barrierefreie Vorlesungsmitschriften auf einem Tablet im Hörsaal mit

Große Hörsäle, schlechte Raumakustik, schnelles Sprechtempo und spontane Zwischenfragen ohne Mikrofon: Für gehörlose und schwerhörige Studierende stellt der Hochschulalltag eine enorme Herausforderung dar. Mit professionellem Schriftdolmetschen, barrierefreien Live-Transkripten und gesetzlichen Nachteilsausgleichen wird ein erfolgreiches, chancengleiches Studium möglich.

Ein Studium verlangt höchste geistige Konzentration. Müssen Studierende mit Hörbeeinträchtigung permanent versuchen, von den Lippen der Dozierenden abzulesen oder akustische Lücken zu erraten, führt dies nach kürzester Zeit zu schwerer mentaler Ermüdung (Listening Fatigue). Das simultane Mitschreiben ist dabei praktisch unmöglich. Hier greift das Schriftdolmetschen im Studium als bewährte, effektive Barrierefreiheit direkt im Hörsaal und Online-Seminar.

Wie unterstützt Schriftdolmetschen im Studium?

Zertifizierte Schriftdolmetscher:innen tippen das gesprochene Wort der Professor:innen, Gastvortragenden und Studierenden in Echtzeit mit:

  • Live-Transkription im Hörsaal: Der Text erscheint simultan auf dem Tablet oder Laptop des Studierenden – ohne Verzögerung zum synchronen Mitlesen.
  • Exakte Fachterminologie: Hochspezifische Fachbegriffe, Formeln, Definitionen und fremdsprachige Zitate werden orthografisch präzise erfasst.
  • Vollständige Prüfungsmitschriften: Nach jeder Lehrveranstaltung erhalten die Studierenden das strukturierte Textprotokoll per E-Mail – die perfekte Basis zum Lernen für Prüfungen und Bachelor-/Masterarbeiten.
  • Vor Ort & Online: Funktioniert gleichermaßen in Präsenzvorlesungen, hybriden Formaten und reinen Online-Lehrveranstaltungen (z. B. Zoom, Microsoft Teams, Webex).

Video-Tipp der BOKU Wien: „Kommunikation ohne Barrieren“

Sensibilisierungsvideo der Universität für Bodenkultur Wien

Das Video „Studieren und Arbeiten mit Hörbehinderung – Kommunikation ohne Barrieren“ der BOKU veranschaulicht eindrucksvoll die alltäglichen Hürden im Universitätsbetrieb und zeigt, wie barrierefreie Kommunikation durch Schriftdolmetschen, Nachteilsausgleiche und gegenseitige Rücksichtnahme im Hörsaal gelingt.

Wichtige Einblicke & Erfahrungen aus dem Video:

Unsichtbare Barriere bei jungen Menschen

In Österreich leben rund 450.000 Menschen mit Hörbeeinträchtigung. Vielen ist oft nicht bewusst, dass auch viele junge Studierende im Hörsaal betroffen sind.

Das „Mikrofon-Problem“ im Hörsaal

Wird auf Mikrofone verzichtet, weil es vermeintlich „zu kompliziert“ ist, sind Studierende mit Hörbeeinträchtigung von der Vorlesung völlig abgeschnitten.

Erschöpfung durch Lippenablesen

Eineinhalb Stunden ununterbrochene Konzentration auf das Mundbild der Dozierenden erfordert extreme Anstrengung und führt rasch zu schwerer Erschöpfung.

Akustische Hürde – nicht fehlendes Wissen

Wenn Betroffene nachfragen müssen, liegt das rein an der Raumakustik. Schriftdolmetschen und Nachteilsausgleiche schaffen hier echte Chancengleichheit.

Nachteilsausgleiche: Ihre gesetzlichen Rechte im Studium

Gemäß dem Universitätsgesetz (UG) haben Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung einen Rechtsanspruch auf einen individuellen Nachteilsausgleich. Dieser stellt sicher, dass Prüfungen und Lehrveranstaltungen ohne Benachteiligung absolviert werden können:

Schreibzeitverlängerung bei Klausuren

Verlängerte Arbeitszeit bei schriftlichen Prüfungen zum Ausgleich des erhöhten Lese- und Verarbeitungsaufwands.

Skripten & Folien vorab

Bereitstellung von Präsentationsfolien, Literaturlisten und Fachskripten vor der Lehrveranstaltung.

Dolmetsch-Assistenz bei Prüfungen

Einsatz von Schriftdolmetscher:innen bei mündlichen Prüfungen, Seminardiskussionen und Master-Defensiones.

Induktive Höranlagen (FM-Systeme)

Nutzung von Hörsälen mit integrierten Induktionsschleifen oder mobilen FM-Übertragungsanlagen.

Wie Hochschulen & Dozierende unterstützen können: Barrierefreie Lehre

Neben dem Einsatz von Schriftdolmetscher:innen tragen einfache didaktische und organisatorische Anpassungen von Universitäten und Lehrenden maßgeblich dazu bei, Lehrveranstaltungen barrierefrei und chancengleich zu gestalten:

Lehrmaterialien vorab

  • Folien & Skripten: Präsentationen und Fachunterlagen vorab auf der Lernplattform bereitstellen.
  • Visuelle Unterstützung: Zentrale Fachbegriffe, Formeln und Namen gut lesbar auf Folien oder der Tafel visualisieren.
  • Vorlesungsmitschnitte: Video- oder Tonaufzeichnungen für die individuelle Nachbereitung ermöglichen.

Vortrag & Akustik

  • Aktive Nachfrage zu Semesterstart: Zu Beginn offen ansprechen, ob jemand besondere Unterstützung bei Akustik oder Sicht benötigt.
  • Blickkontakt halten: Beim Sprechen zum Auditorium blicken und nicht mit dem Rücken zum Raum sprechen (Lippenablesen).
  • Mikrofon-Disziplin: Saalmikrofone konsequent nutzen und Zwischenfragen aus dem Plenum vor der Antwort kurz wiederholen.
  • Geordneter Austausch: In Seminaren und Kleingruppen darauf achten, dass Personen nacheinander sprechen.

Dolmetsch-Einbindung

  • Selbstverständliche Integration: Gebärden- und Schriftdolmetscher:innen als professionelle Unterstützung im Lehrbetrieb willkommen heißen.
  • Gute Rahmenbedingungen: Geeigneter Sitzplatz mit freier Sicht auf Lehrende und Präsentation sowie Stromanschluss.
  • Direkte Kommunikation: Rechtzeitige Information bei Raumwechseln, Ausfällen oder Terminverschiebungen.

100 % Kostenübernahme: Voll gefördert & kostenlos

Für anspruchsberechtigte Studierende mit Hörbeeinträchtigung ist das Schriftdolmetschen an Hochschulen komplett kostenlos:

  • In Österreich: Die Finanzierung der Einsätze erfolgt über das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) in Kooperation mit GESTU und den jeweiligen Universitäten.
  • In Deutschland: Die Kostenübernahme erfolgt zu 100 % über die Eingliederungshilfe bzw. die zuständigen Sozial- und Integrationsämter der Bundesländer.
  • In der Schweiz: Vollständige Finanzierung im Rahmen der Invalidenversicherung (IV) und kantonaler Hochschul-Förderungen.

Rechtzeitige Planung vor Semesterbeginn: Damit alle Vorlesungen vom ersten Tag an barrierefrei begleitet werden können, empfiehlt sich die Kontaktaufnahme ca. 6 Wochen vor Semesterstart.

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